Schärfere Strafen

Monday, January 7th, 2008

Das war ein Coup. Direkt in die innenpolitische Flaute zwischen Weihnachten und Neujahr platzierten Roland Koch, BILD und einige schlecht erzogene Jugendliche die neue Gewaltdebatte. Und was fordern die Konservativen sofort? Richtig, die fordern schärfere Strafen; Strafen die abschrecken. Die denken garnicht, das ist ein Reflex. Und schärfere Strafen schrecken unglaublich ab. Die USA haben doch nur deshalb so sichere Großstädte, weil die Todesstrafe alle abschreckt. Da traut sich ja kein Jugendlicher mehr was, die streiten sich höchstens mal, wer denn nun der Oma über die Straße helfen darf. (Dank der NRA endet das dann aber meistens in Schusswechseln…) Wie auch immer, schärfere Strafen schrecken nicht ab. Die Länder mit den strengsten Gesetzen haben die meisten Gewaltverbrechen. Das kann man doch alles nachlesen… Lesen müsste man können. Vielleicht liegt hier das Problem bei der CDU ?

Jugend und Emanzipation

Friday, December 28th, 2007

Sellerie (Staude)Jetzt bin ich schon 26 und trotzdem kommt diesen Einzelhändlern nicht in den Sinn, daß ich eigenverantwortlichen Einkaufen kann. Heute war ich Gemüse kaufen und auf der Suche nach Staudensellerie. Die Frau hatte nur Knollen. Sie duzte mich und empfahl: “Nimm ruhig den, der ist schwer zu kriegen”. Keine Ahnung was sie damit meinte, aber für meine Pastasauce war der jedenfalls nicht zu gebrauchen, ein bisl vertrocknet war er auch schon. Das man jetzt keinen Staudensellerie bekommen würde konnte ich ihr nicht glauben. Als ich dann sagte, daß sei nicht das Richtige war ihre Antwort: “Naja, frag lieber zu Hause nochmal nach.” Es kommt ihr überhaupt nicht in den Sinn, daß jemand in meinem Alter noch dazu männlichen Geschlechts beim Gemüsekauf nicht im Auftrag unterwegs ist. Emanzipier dich Gemüseverkäuferin !

P.S. Die Vietnamesische Gemüsehändlerin nebenan hatte natürlich Staudensellerie und hat mir noch einen guten Rutsch gewünscht. Das Gleiche wünsche ich allen Lesern. Bis nächstes Jahr.

Harry Potter

Monday, November 5th, 2007

Neulich fuhr Herr P. nach China. Für den Rückflug kaufte er sich in Shanghai den brandneu erschienenen “Harry Potter 9″. Da er großer Fan der Serie ist, las er die gesamten 1964 Seiten in gut zwei Stunden durch. Vielleicht lag es an seiner hohen Lesegeschwindigkeit, jedenfall bemerkte er nicht den kleinen Stilbruch. Harry hatte sich irgendwie verändert. Bereits auf Seite 4 lernt er 3 chinesische Jungs kennen. Im Verlaufe der ersten hundert Seiten vergisst er relativ schnell praktisch alle Figuren aus früheren Teilen und hängt nurnoch mit seinen chinesischen Freunden ab. Nach ca. 1/3 des Textes überschlagen sich die Ereignisse. Harry bricht auf, nach China. Überhaupt scheint er nicht mehr wirklich die Hauptfigur zu sein. Viele der spannenden und lustigen Abenteuer beschränken sich darauf, wie Harry durch die chinesische Kultur stolpert und seine neuen Freunde, unbemerkt im Hintergrund, alles so einrichten, dass Harry nichts geschieht. Seltsam diese Kulturrevolution.

P.S. Herr P. hat seinen neuen, nach dem 1. November 2007 ausgestellten Reisepass sicherheitshalber immer in Alufolie eingewickelt.

Früher…

Wednesday, October 10th, 2007

… war Telefonieren die Hölle. Es gab die Post. Eine Behörde. Die bestimmte die Preise, und wer überhaupt eine Telefon bekam. Dazu die Tarifstruktur: Es gab Ortsgespräche, Ferngespräche, etc. Kein Mensch blickte durch !
Doch dann: Die Liberalisierung des Telefonmarkts. Endlich Klarheit. Jeder kann sich sein Wunschtelefon mit dem “Clever One 7 S-PP” Tarif mit oder ohne Super-Option wählen.
Schade das diese Zeit jetzt wieder vorbei ist. Wenn das iPhone erscheint gibt es wieder die Post. Die bestimmt dann die Preise (und jetzt 4 Wochen vorher dürfen wir die natürlich noch nicht wissen). Und überhaupt, fragt sich eigentlich niemand warum faktisch ALLE Abmachungen zwischen Apple und T-Mobile geheim sind ?
Was wäre wenn Shell für jeden verkauften Liter Benzin 10% des Gewinns an Mercedes abgäbe? Klingt unrealistisch? Ist aber Realität denn Apple erhält eine Beteiligung an den Gesprächseinnahmen.
Hab keine Angst Steve. Den mündigen Verbraucher brauchst du nicht fürchten. Wir leben in einer Zeit in der die Leute um Gadgets zu erhalten auf so ziemlich alles verzichten, wir sind Microserfs wie Douglas Coupland so weitsichtig schrieb.

Wasserstoffperoxid

Wednesday, September 5th, 2007

Die potentiellen Attentaeter hatten bereits 35-prozentige Wasserstoffperoxidloesung hergestellt. Wenn sie diese veduennt haetten zu 3,5-prozentiger Loesung haetten sie sie fuer ca. 25 Euro pro 700ml verkaufen koennen. Das ist naemlich Kontaktlinsenpflegemittel. Andererseits kann man sich natuerlich auch fuer 25 Euro 24.5ml H2O2 kaufen und fuer ein 50 Liter Fass 35-prozentiger Loesung braucht man dann nur 714 Packungen Kontaktlinsenpflegemittel. Die gibts schon fuer 17850 Euro. Das sollte bei den immensen Kosten fuer Miete von Terrorunterschluepfen heutzutage doch kein finanzielles Problem darstellen.
Ich erwarte vom Innenminister, dass er unverzueglich handelt und Kontaktlinsen verbietet oder so weit verteuert, dass sie sich niemand mehr leisten kann.

Buddha Art Gallery

Monday, August 27th, 2007

Am Freitag war ich auf der GC-Party in der Buddha Art Gallery. Ich war natuerlich nicht angemessen gekleidet, hatte VIP Eintrittskarten und hab vor dem Eingang noch ein paar davon verscherbelt um das Bier zu bezahlen. Nicht schlecht, was dort aufgeboten wird um das Publikum in Entzueckung zu versetzen.
Das ganze Design des sich auf vier unterirdischen Etagen erstreckenden Tempels ist im Techno-Buddha Theme gehalten. Das bedeutet also lauter esoterisches Zeug wie Palmen, Bambus und Buddha’s, aber halt mit gruenem Neonlicht dahinter ! Angenehm ist, das man ueberall sitzen, aehm.. chillen kann. Am Freitag konnte man auch an mehreren Stellen XBox spielen. Ich bin mir unsicher ob das zur Standardausruestung gehoert. Eine Runde Autorennen auf der Nordschleife liess mich enttaeuscht zurueck… Clippingfehler und Bugs wie 1993. Wenigstens hab ich Kai besiegt :) Ich musst leider feststellen, dass das Publikum, trotz meines zarten Alters immer noch deutlich juenger als ich war und blieb nicht lange. Wenn ich diese Leute sehe wie sie vergnuegt 50 oder 100 Euro pro Abend in gekuehlte Getraenke investieren verbleibe ich frei nach Brecht und frage mich, was ist wohl der gratis Eintritt in einen Club gegen den Betrieb eines Clubs?

Fernsehen

Friday, August 17th, 2007

Gestern lief in der ARD zur spaeten Stunde eine exzellente Verfilmung meines Lieblingsromans, “Der menschliche Makel”. Das lies mich ueber das Fernsehen im Allgemeinen nachdenken. In letzter Zeit kam ich ueber die Tagessthemen wieder etwas dazu. Ich habe noch die, zugegeben etwas flache, Doping-Reportage “Blut und Spiele” angeschaut und irgendwann lief der Trailer fuer die Roth-Verfilmung. Einen solchen Film mit Werbeunterbrechungen anzuschauen, kann ich persoenlich mir schon gar nicht mehr vorstellen, aber egal. Heute stiess ich jedenfalls in der ZEIT auf eine Reportage ueber Sat.1 und ihre Serienproduktion “Blackout”. Es war ein ambitioniertes Projekt. Man versuchte mit viel Geld und Vorbereitung echte Qualitaet zu etablieren; und scheiterte auf ganzer Linie. Die Kritiker waren begeistert. Die Zuschauer schalteten gar nicht erst ein. Die Konsequenzen die man bei Sat1 zog beinhalteten z.B.

  • Menschen mit höherer Bildung haben dramaturgisch höhere Ansprüche und lechzen deshalb nach komplexeren Programmen, die sie nur selten im Fernsehangebot vorfinden. Doch da sie einen quantitativ unbedeutenden Teil des Gesamtpublikums darstellen, sind Sendungen in großen Sendern, die vorwiegend dieses Publikumssegment ansteuern, zum Scheitern verurteilt.
  • Fernsehproduktionen funktionieren bei einem breiten Publikum heutzutage nur dann, wenn die Helden moralisch klar zugeordnet werden können. Die Zuschauer wollen gleich von Beginn an erkennen, wer die Guten und wer die Bösen sind.
  • Serien mit komplexen, verschachtelten Erzählstrukturen schrecken ab. Die Zuschauer lieben es, wenn sie sich schnell in der Handlung zurechtfinden. Fernsehen ist in seiner Grundstruktur ein Flüchtigkeitsmedium, das von den meisten Zuschauern als solches genutzt wird.
  • Auch ein dramatischer Inhalt darf nicht allein als düster erlebt werden. Bereits in den Trailern muss gezeigt werden, dass es ebenfalls eine helle, positive und emotional beglückende Seite gibt. Dazu gehören zum einen die Ansprüche an die Farbgebung, zum anderen verlangt der Zuschauer jedes Mal eine spannende Liebesgeschichte und dabei vorzugsweise den ewig gleichen Klassiker: die Dreiecksbeziehung.

Besonders das Wort “Flüchtigkeitsmedium” hat es mir angetan. Bedeutet es, man fluechtet sich in Fernsehkonsum? Oder ist das konsomierte sehr fluechtig ? Beide Interpretationen sind treffend und sagen genuegend…

Grrrr Episode 1: E-Minus

Saturday, July 7th, 2007

Neulich suchte ich eine günstige Prepaid-Karte für Mama und bevor ich den Tarifdschungel lichten konnte, ruft mich doch so ein freundlicher Mitarbeiter von E-Plus an und da ich jetzt schon über 6 Jahre Kunde bin machen sie mir ein Super Special Sonder Angebot für eine Zweitkarte. Na wenn das nix für die Mama ist denke ich mir, lasse mich einige Minuten bequatschen und dann kommt das Ding….

Was soll ich sagen, der Typ hat einfach gelogen und dreist unterschlagen. Ein paar wenige Details: Die Schallgrenze für den Minutenpreis in Eplus Tarifen ist gerade so 20 bis 25 Cent netzunabhängig. In Prepaid Tarifen wohlgemerkt. Jetzt hat mir dieser Kerl doch tatsächlich erzählt was für ein einmaliges Angebot er hat : 2 Jahre Vertragslaufzeit 5 Euro Grundgebuehr 25 Inklusivminuten. Da kostet also die Minute (2 Jahre lang) auch 20 Cent. Danach kostet jede weitere locker 45 Cent. Das hat der Typ aber nicht erzählt, steht erst jetzt in dem Brief. Telefon gibts nicht dazu, SMS gibts nicht dazu…. Dreist. Da bin ich doch mal froh über unsere fleissigen Verbraucherschützer, gibt nämlich Widerrufsrecht. Das nehm ich doch wahr, und anrufen werd ich auch noch.

Ich bin entsetzt von der Methodik mit der hier echter Betrug versucht wird. Obwohl die eigene Firma ein in jedem Belang günstigeres Angebot massiv bewirbt, rufen diese telefonischen Drückerkolonnen mich an und drehen mir den alten Time and More 25 Tarif an.

Grrrrr !

Die Sache mit dem Öko Lavamat…

Saturday, June 30th, 2007

… ist nun schon lange her. Aber immer noch lustig. Wir springen 4 Jahre zurück. Ein Originaldokument.

Es sind diese Momente im Leben, wenn deine Mitbewohnerin freudestrahlend zur Wohnung reinkommt und ruft: “Ich habe eine Waschmaschine!” (und sie war kostenlos und garnicht weit entfernt). Naja, sie kennt wen, der wen kennt, und wir brauchen sie bloß abholen … Ha! nichts leichter als das, aber Waschmaschinen darf man nur stehend transportieren… oder? Also schnell schlaugemacht und auch gleich 2-5 Leute gefunden, die sagten: “Och… dit geht ooch so … keen Thema.” Man braucht nur “de Transportsicherung” … aha ! Also jetzt musste nurnoch jemand gefunden werden, der sein Auto für dieses lustige Experiment hergibt, schliesslich geht es hier nicht um irgendein Billigding, nein es geht um eine ÖKO LAVAMAT 925 aus dem Hause AEG (“aber erst Geld!”).
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Verkaufsstrategien im Wandel

Thursday, May 24th, 2007

k2.JPGBologna ist eine lebendige Stadt mit hinreichend viel Historie. Trotz deutlich weniger Einwohnern erwecken die Boutiquen im Zentrum ein wenig “London-Feeling”. In der Innenstadt sind alle Fusswege ueberdacht. An allen Ecken kann man etwas kaufen. (more…)