WEBVTT

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00:00:00.220 --> 00:00:05.691
<v Petra>Herzlich willkommen zusammen zu Pi
ist genau 3, zu Folge Nummer 46.

00:00:05.691 --> 00:00:09.699
<v Petra>Am Mikrofon ist wieder Petra Schwer
und dabei ist auch noch Thomas Kahle.

00:00:09.699 --> 00:00:10.369
<v Thomas>Hallo, Petra.

00:00:10.404 --> 00:00:12.800
<v Petra>Hi, Thomas. Du hast ein Thema mitgebracht.

00:00:12.800 --> 00:00:17.041
<v Thomas>Ich habe ein Thema mitgebracht und mein
Thema fängt mit einem kleinen Witz an.

00:00:17.754 --> 00:00:18.827
<v Thomas>Und der Witz ist auf Englisch.

00:00:18.978 --> 00:00:19.541
<v Thomas>Du kennst ihn bestimmt.

00:00:19.541 --> 00:00:21.241
<v Petra>Müssen wir den dann übersetzen hinterher?

00:00:21.241 --> 00:00:22.505
<v Thomas>Wir können den gleich übersetzen.

00:00:22.505 --> 00:00:24.340
<v Thomas>Ich habe auch eine Übersetzung,
aber die funktioniert nicht so gut.

00:00:24.572 --> 00:00:27.210
<v Thomas>Also der Witz geht so. What is yellow?

00:00:27.602 --> 00:00:29.869
<v Thomas>And equivalent to the axiom of choice?

00:00:32.912 --> 00:00:33.648
<v Petra>I don't know.

00:00:34.707 --> 00:00:36.950
<v Thomas>Die Antwort ist Zorn's lemon.

00:00:37.925 --> 00:00:39.700
<v Thomas>Kennst du diese Art von Mathe-Witze?

00:00:39.700 --> 00:00:40.200
<v Thomas>Ja, ja.

00:00:41.244 --> 00:00:43.610
<v Thomas>What is purple and commutes?

00:00:44.442 --> 00:00:45.516
<v Petra>Irgendwas weiß ich nicht.

00:00:45.547 --> 00:00:46.993
<v Thomas>An abelian grape.

00:00:46.993 --> 00:00:48.629
<v Petra>An abelian grape, okay.

00:00:48.962 --> 00:00:50.847
<v Thomas>Die Übersetzung auf Deutsch
habe ich mir überlegt.

00:00:50.847 --> 00:00:56.230
<v Thomas>Was ist grünlich, also von dem ersten, und
grünlich und äquivalent zum Auswahlaxiom?

00:00:56.863 --> 00:00:57.872
<v Thomas>Zorn-slimone.

00:00:57.872 --> 00:00:58.180
<v Petra>Zorn-slimone.

00:00:58.180 --> 00:01:01.374
<v Thomas>So habe ich es mir überlegt. Deswegen
muss ich auch auf grünlich ändern.

00:01:01.374 --> 00:01:02.488
<v Petra>Nicht Zitrone, ja.

00:01:02.644 --> 00:01:05.602
<v Thomas>Ja, und wie du jetzt merkst, ist unser
Thema heute schlechte Mathe-Witze.

00:01:05.602 --> 00:01:08.005
<v Petra>Uiuiui. Ja, da gibt es ja jede Menge von.

00:01:08.005 --> 00:01:10.250
<v Thomas>Nein, das war wieder nur
ein schlechter Mathe-Witz.

00:01:10.402 --> 00:01:12.817
<v Thomas>Ne, ich wollte heute über
das Auswahlaxiom reden

00:01:12.948 --> 00:01:17.910
<v Thomas>und seine vielen Cousins und Cousinen-Folgerungen
und Nicht-Folgerungen daraus.

00:01:18.367 --> 00:01:19.392
<v Thomas>Kennst du das Auswahlaxiom? Ja.

00:01:22.623 --> 00:01:24.692
<v Thomas>Das war auch so eine
Mathematiker-Konferenz.

00:01:24.692 --> 00:01:26.147
<v Thomas>Kannst du mir mal sagen, wie spät es ist?

00:01:26.178 --> 00:01:26.850
<v Thomas>Ja?

00:01:27.770 --> 00:01:28.610
<v Petra>Genau.

00:01:30.044 --> 00:01:32.102
<v Thomas>So, was ist denn eigentlich ein Axiom?

00:01:32.194 --> 00:01:33.443
<v Thomas>Fangen wir mal am Anfang an.

00:01:33.443 --> 00:01:36.139
<v Petra>Okay, Axiome, haben wir das eigentlich
noch nie geklärt, was Axiome sind?

00:01:36.139 --> 00:01:37.159
<v Thomas>Ich weiß nicht.

00:01:37.613 --> 00:01:38.679
<v Petra>Bestimmt kommt das
Podcast schon öfter vor.

00:01:38.679 --> 00:01:39.312
<v Petra>Keine Folge, die so heißt, ne?

00:01:39.403 --> 00:01:41.968
<v Petra>Ja. Okay, kam bestimmt schon öfter vor.

00:01:41.968 --> 00:01:43.872
<v Petra>Also Axiome sind so die Grundbausteine,

00:01:43.872 --> 00:01:47.650
<v Petra>die als wahr definierten
Aussagen der Mathematik.

00:01:47.762 --> 00:01:50.209
<v Petra>Und damit geht's los und dann
kombiniert man die und leitet

00:01:50.209 --> 00:01:53.910
<v Petra>damit mit Schlussregeln
und Logik neue Aussagen ab.

00:01:54.262 --> 00:01:57.530
<v Thomas>Also so ein, wie so ein
Bausatz von wahren Aussagen,

00:01:57.530 --> 00:02:01.319
<v Thomas>mit denen man dann mit Hilfe der Logik
neue wahre Aussagen kombinieren kann.

00:02:01.319 --> 00:02:03.713
<v Thomas>Genau. So stell ich mir das immer vor.

00:02:03.723 --> 00:02:06.377
<v Thomas>Gibt's zum Beispiel so Axiome
für die natürlichen Zahlen,

00:02:06.488 --> 00:02:07.810
<v Thomas>die Peano-Axiome,

00:02:07.810 --> 00:02:10.074
<v Thomas>die sind auch ganz einfach,
so wie es gibt eine natürliche Zahl,

00:02:10.074 --> 00:02:14.070
<v Thomas>die nennen wir 1, und dann gibt's immer
noch zu jeder Zahl einen Nachfolger.

00:02:14.081 --> 00:02:16.007
<v Thomas>Und wenn man eine Teilmenge hat,

00:02:16.007 --> 00:02:20.344
<v Thomas>die 1 enthält und alle Nachfolger, dann
sind es schon die ganzen natürlichen Zahlen.

00:02:20.344 --> 00:02:20.546
<v Thomas>Ja,

00:02:20.546 --> 00:02:22.380
<v Petra>sowas kann man dann beweisen,

00:02:22.380 --> 00:02:25.833
<v Thomas>ne? Also Grundtatsachen, die man
irgendwie in diese logische Form,

00:02:25.833 --> 00:02:28.090
<v Thomas>die Sprache der Mathematik, gegossen hat.

00:02:28.103 --> 00:02:30.050
<v Thomas>Und dieses Auswahlaxiom,

00:02:30.050 --> 00:02:33.010
<v Thomas>das sagt jetzt eigentlich,
ich nenne es gerne das Auswahlrecht.

00:02:33.021 --> 00:02:33.885
<v Petra>Das Auswahlrecht?

00:02:33.885 --> 00:02:36.922
<v Thomas>Kommen wir gleich dazu. Aber das Auswahlaxiom,
das hat was mit auswählen zu tun?

00:02:36.922 --> 00:02:41.022
<v Petra>Ja genau, das erlaubt einem aus einer
unendlichen Menge was auszuwählen.

00:02:41.022 --> 00:02:43.718
<v Thomas>Ja, aus einer unendlichen
Familie von Mengen.

00:02:43.769 --> 00:02:45.714
<v Thomas>Also wir haben ja jetzt
nicht nur eine Menge,

00:02:45.714 --> 00:02:47.923
<v Thomas>sondern wir haben jetzt
irgendwie eine Menge von Mengen.

00:02:47.923 --> 00:02:49.007
<v Thomas>Oder eine Familie von Mengen,

00:02:49.007 --> 00:02:50.172
<v Thomas>die stelle ich mir,
ich stelle mir die immer so vor,

00:02:50.172 --> 00:02:52.203
<v Thomas>als ob man so lang gehen
kann, so wie Eimer.

00:02:52.203 --> 00:02:54.975
<v Thomas>Jede Menge ist ein Eimer und bei
dir ist so eine ganz lange Kette,

00:02:54.975 --> 00:02:55.521
<v Thomas>die geht bis zum Horizont.

00:02:55.521 --> 00:02:57.050
<v Petra>Die sind aber nicht angeordnet.

00:02:57.341 --> 00:03:02.455
<v Thomas>Ja, stimmt. Da kommen wir auch noch
gleich drauf, ob ich die anordnen kann.

00:03:02.666 --> 00:03:04.878
<v Thomas>Also irgendwie sind die,
alles ist voll mit Eimern.

00:03:04.968 --> 00:03:06.219
<v Thomas>Das sind diese ganzen Mengen.

00:03:06.389 --> 00:03:10.193
<v Thomas>Und jetzt hat jeder Mensch laut
UN-Menschenrechtskonvention, nein,

00:03:10.193 --> 00:03:11.744
<v Thomas>so ist es noch nicht,
aber das ist mein Ziel,

00:03:12.215 --> 00:03:17.830
<v Thomas>das Recht aus jedem nicht leeren
Eimer ein Element auszuwählen.

00:03:18.102 --> 00:03:19.931
<v Petra>Okay, also du machst nicht Wasser rein,

00:03:19.931 --> 00:03:21.419
<v Petra>sondern irgendwie keine Ahnung,
Tennisbälle oder sowas.

00:03:21.419 --> 00:03:23.710
<v Thomas>In Mengen sind natürlich Elemente drin.

00:03:23.942 --> 00:03:25.065
<v Thomas>Und das Auswahlaxiom sagt jetzt,

00:03:25.065 --> 00:03:28.641
<v Thomas>wenn man also irgendeine Familie
von nicht leeren Mengen hat,

00:03:28.752 --> 00:03:32.425
<v Thomas>dann kann man aus jedem eins
auswählen, ein Element auswählen.

00:03:32.425 --> 00:03:33.661
<v Petra>Gleichzeitig, so?

00:03:33.661 --> 00:03:34.633
<v Thomas>Ja, gleichzeitig.

00:03:34.784 --> 00:03:37.369
<v Thomas>Also oder wie so eine Abbildung,
kann man sich das auch vorstellen.

00:03:37.369 --> 00:03:40.065
<v Thomas>Die Mengen sind irgendwie
indiziert durch eine andere Menge,

00:03:40.316 --> 00:03:42.590
<v Thomas>und dann bildet man irgendwie die...

00:03:42.660 --> 00:03:46.827
<v Thomas>Elemente von der Indexmenge auf
Elemente von den einzelnen Mengen ab.

00:03:46.827 --> 00:03:47.828
<v Thomas>Klingt das für dich plausibel?

00:03:47.828 --> 00:03:50.272
<v Thomas>Ist das so eine Erfahrungstatsache,
die in Mathematik...

00:03:50.272 --> 00:03:55.470
<v Thomas>Erfahrungstatsache aus dem täglichen Leben,
die in Mathematik jetzt gegossen wurde?

00:03:55.843 --> 00:04:01.710
<v Petra>Also Auswahlaxiom braucht man tatsächlich
ab und zu, und mir ist das auch relativ...

00:04:02.280 --> 00:04:06.018
<v Petra>Also ich habe da eine neutrale
Haltung zu, sagen wir es mal so.

00:04:06.310 --> 00:04:09.497
<v Petra>Ich benutze es, wenn es nötig ist,
und dann sagt man halt dazu,

00:04:09.497 --> 00:04:11.150
<v Petra>dass man es braucht an der Stelle.

00:04:11.321 --> 00:04:14.135
<v Thomas>Okay, der Ernst Zermelo, einer von denen,

00:04:14.305 --> 00:04:19.503
<v Thomas>nach denen die Zermelo-Frenkel-Mengenlehre
benannt ist, hat es 1904...

00:04:20.414 --> 00:04:24.610
<v Thomas>wollte er den Wohlordnungssatz
beweisen und hat dieses...

00:04:25.600 --> 00:04:28.445
<v Thomas>Auswahlaxiom dafür benötigt
und hat irgendwie festgestellt,

00:04:28.445 --> 00:04:32.340
<v Thomas>dass es so ein unobjectional
logical principle, also ein

00:04:33.292 --> 00:04:34.944
<v Thomas>logisches Prinzip ohne...

00:04:35.054 --> 00:04:36.116
<v Petra>Dem man nicht widersprechen könnte.

00:04:36.116 --> 00:04:39.050
<v Thomas>Dem man nicht widersprechen kann, sei.

00:04:39.321 --> 00:04:41.093
<v Thomas>Und dann gab es da
einige Diskussionen dazu.

00:04:41.264 --> 00:04:43.727
<v Thomas>Also vielleicht sollten wir noch
kurz was zur Mengenlehre sagen.

00:04:43.727 --> 00:04:45.470
<v Thomas>Also die Mathematik,

00:04:45.470 --> 00:04:48.333
<v Thomas>so wie wir sie jetzt hier so lehren
an der Uni und wie sie betrieben wird,

00:04:48.333 --> 00:04:49.956
<v Thomas>die basiert eben auf der Mengenlehre.

00:04:49.956 --> 00:04:53.105
<v Thomas>Eigentlich sind alle Objekte, die wir
in der Mathematik so betrachten...

00:04:53.105 --> 00:04:54.050
<v Thomas>Mengen.

00:04:54.425 --> 00:04:55.380
<v Petra>Da würde ich dir widersprechen.

00:04:55.380 --> 00:04:56.567
<v Petra>Darf ich mir widersprechen?

00:04:56.567 --> 00:04:58.802
<v Thomas>Okay, dann darf ich auch
jetzt hören, den Widerspruch.

00:04:58.802 --> 00:05:01.490
<v Petra>Ja, wenn du Abbildungen hast oder,

00:05:01.490 --> 00:05:04.729
<v Petra>na gut, manche kann man vielleicht
auch als Mengen auffassen.

00:05:04.841 --> 00:05:07.061
<v Thomas>Na, eine Abbildung ist
eine Menge von Paaren.

00:05:07.061 --> 00:05:08.723
<v Petra>Ja, das ist, ja,

00:05:08.723 --> 00:05:12.748
<v Petra>dann unterscheidest du aber nicht
zwischen der Abbildung und dem Graphen,

00:05:12.748 --> 00:05:15.171
<v Petra>also Funktion und Graph würde man
ja vielleicht unterscheiden, ne?

00:05:15.171 --> 00:05:16.953
<v Petra>Bei dem Graphen würde ich sagen,
ja, das ist eine Menge,

00:05:16.953 --> 00:05:20.266
<v Petra>aber die Funktion selber ist
erstmal eine Zuordnungsvorschrift,

00:05:20.537 --> 00:05:23.190
<v Petra>ist jetzt keine Menge erstmal, ne?

00:05:23.641 --> 00:05:25.769
<v Petra>Also es ist mehr sowas, du steckst
was rein und kriegst was raus,

00:05:25.769 --> 00:05:28.822
<v Petra>das ist wie so ein Automat,
das sehe ich nicht jetzt als Menge.

00:05:28.822 --> 00:05:31.377
<v Thomas>Aber Abbildungen sind ja
sehr vielfältig, weil,

00:05:31.729 --> 00:05:36.024
<v Thomas>also es gibt ja auch nicht
berechenbare Abbildungen und also…

00:05:36.024 --> 00:05:38.230
<v Petra>Ja, die würdest du alle
als Menge auffassen?

00:05:38.502 --> 00:05:40.710
<v Thomas>Na, ich würde alles, alles sind Mengen.

00:05:40.710 --> 00:05:43.590
<v Thomas>Also auch die Abbildung
ist eine Abbildung.

00:05:43.822 --> 00:05:47.426
<v Thomas>Ist eine Vorschrift,
die jedem kleinen x, ein f von x

00:05:47.859 --> 00:05:49.952
<v Petra>zuordnet. Okay, ist natürlich eine
äquivalente Darstellungsweise,

00:05:49.952 --> 00:05:51.057
<v Petra>wenn ich das als Menge aller Paare…

00:05:51.057 --> 00:05:53.941
<v Thomas>Das ist einfach die Datenstruktur,
ist das eine Menge von Paaren,

00:05:54.595 --> 00:05:55.140
<v Thomas>mit noch einer Zusatzeigenschaft.

00:05:55.140 --> 00:05:59.295
<v Thomas>Also ich muss ja für jedes kleinen x,
muss ich sozusagen angeben,

00:05:59.295 --> 00:06:00.261
<v Thomas>was das Bild sein soll.

00:06:00.261 --> 00:06:02.046
<v Petra>Ja, also Menge allein reicht halt nicht,

00:06:02.046 --> 00:06:05.936
<v Petra>weil du musst halt, du musst die ordnen,
diese Paare, du musst wissen,

00:06:05.936 --> 00:06:07.100
<v Petra>was ist der Input-Parameter.

00:06:07.100 --> 00:06:08.342
<v Thomas>Das kathesische Produkt,

00:06:08.342 --> 00:06:11.406
<v Thomas>also es ist irgendwie eine bestimmte
Teilmenge von dem kathesischen Produkt,

00:06:11.406 --> 00:06:15.421
<v Thomas>also eine Abbildung von Groß-X nach
Groß-Y ist eine bestimmte Teilmenge von

00:06:16.373 --> 00:06:18.636
<v Thomas>Groß-X mal Groß-Y.

00:06:18.636 --> 00:06:20.821
<v Petra>Mit Paareigenschaften,
ja okay, gut, einverstanden.

00:06:20.821 --> 00:06:21.282
<v Petra>Ne,

00:06:21.282 --> 00:06:24.312
<v Thomas>ich glaube, das muss man auch so machen,
wenn die, wenn die ganze, also die,

00:06:24.312 --> 00:06:27.050
<v Thomas>der Abbildungsbegriff
ist ja nicht separat.

00:06:27.100 --> 00:06:30.276
<v Thomas>Axiomatisiert von der Mengenlehre.

00:06:30.276 --> 00:06:31.121
<v Thomas>Ja, das stimmt.

00:06:31.121 --> 00:06:32.324
<v Thomas>Also ich glaube, es ist schon so,

00:06:32.324 --> 00:06:33.527
<v Thomas>dass wir wirklich nur mit den,

00:06:33.527 --> 00:06:38.739
<v Thomas>mit diesen Axiomen für die Mengenlehre
losmarschieren können, wenn wir wollen.

00:06:38.739 --> 00:06:40.790
<v Petra>Ist ein langer Weg aber dann.

00:06:40.982 --> 00:06:41.363
Ja,

00:06:41.363 --> 00:06:42.606
<v Thomas>man tut das so ein bisschen ab.

00:06:42.606 --> 00:06:45.293
<v Thomas>Die Axiome für die Mengenlehre, die sind
ja eigentlich auch einfach nur Axiome,

00:06:45.293 --> 00:06:47.320
<v Thomas>wie sich dieses Element
von Symbol verhält.

00:06:47.320 --> 00:06:50.231
<v Thomas>Also wenn man die jetzt so nachguckt,
dann sind es einfach nur,

00:06:50.231 --> 00:06:52.930
<v Thomas>also die definieren dann
natürlich auch, ähm,

00:06:54.023 --> 00:06:56.650
<v Thomas>wie die Vereinigung
funktioniert und sowas, ja,

00:06:56.650 --> 00:06:58.415
<v Thomas>aber die Vereinigung wird
halt auch beschrieben dadurch,

00:06:58.415 --> 00:07:00.210
<v Thomas>welche Elemente sie enthält.

00:07:00.322 --> 00:07:03.328
<v Petra>Das schon, aber die musst du ja
beschreiben, diese Verknüpfungssymbole.

00:07:03.421 --> 00:07:05.735
<v Thomas>Ja genau, das machen eben
diese Axiome der Mengenlehre.

00:07:05.946 --> 00:07:08.931
<v Thomas>Das sind die Zermelo-Frenkel-Axiome,
die das beschreiben,

00:07:08.931 --> 00:07:10.695
<v Thomas>und einer von denen ist
eben dieser Ernst Zermelo,

00:07:10.695 --> 00:07:13.201
<v Thomas>und der auch auf dieses Auswahlaxiom kam.

00:07:13.201 --> 00:07:15.045
<v Thomas>Aber das ist jetzt ein extra,

00:07:15.045 --> 00:07:16.548
<v Thomas>also erst hat er die Idee gehabt, na,

00:07:16.548 --> 00:07:18.773
<v Thomas>das will er als Beweisend
aus seiner Mengenlehre,

00:07:18.773 --> 00:07:21.729
<v Thomas>wenn das so ein unobjectionable
logical principle ist.

00:07:22.544 --> 00:07:25.338
<v Thomas>Aber es stellt sich heraus, dass das
nicht funktioniert, also nicht durch ihn.

00:07:25.338 --> 00:07:27.281
<v Petra>Ja, ist ja unabhängig, ne, also genau.

00:07:27.281 --> 00:07:30.317
<v Thomas>Hat ein Weilchen gedauert,
geht auf Gödel und Cohen zurück,

00:07:30.568 --> 00:07:32.091
<v Thomas>wenn ich das richtig in Erinnerung habe,

00:07:32.091 --> 00:07:36.020
<v Thomas>dass das nicht beweisbar
ist aus der Mengenlehre.

00:07:36.020 --> 00:07:39.580
<v Thomas>Also die eigentliche Aussage
ist, es ist konsistent,

00:07:39.812 --> 00:07:42.621
<v Thomas>wenn die Mengenlehre widerspruchsfrei ist.

00:07:42.621 --> 00:07:46.589
<v Thomas>Kann man das Auswahlaxiom noch dazunehmen
und kriegt eine widerspruchsfreie Theorie.

00:07:46.882 --> 00:07:48.596
<v Thomas>Und man kann aber auch nicht

00:07:48.747 --> 00:07:51.173
<v Thomas>die Negation vom Auswahlaxiom dazunehmen

00:07:51.173 --> 00:07:52.957
<v Thomas>und kriegt auch eine
widerspruchsfreie Theorie,

00:07:52.957 --> 00:07:54.040
<v Thomas>wenn die Ausgleichs-Mengenlehre
widerspruchsfrei ist.

00:07:54.040 --> 00:07:55.746
<v Petra>Genau, das ist nicht,
du kannst es nicht beweisen daraus,

00:07:55.746 --> 00:07:59.695
<v Petra>sondern du kannst dich entscheiden,
ob du annehmen möchtest, dass es gilt,

00:07:59.695 --> 00:08:02.130
<v Petra>oder ob du annehmen möchtest,
dass es nicht gilt.

00:08:02.864 --> 00:08:04.350
<v Thomas>Es ist unabhängig von der Theorie.

00:08:04.350 --> 00:08:06.300
<v Thomas>Dieses unabhängig, das kommt
einem so ein bisschen spurend.

00:08:06.300 --> 00:08:08.126
<v Thomas>Es kommt einem so spooky vor,
wenn man über Mengenlehre redet,

00:08:08.126 --> 00:08:11.781
<v Thomas>aber eigentlich haben wir die ganze Zeit
mit so unabhängigen Eigenschaften zu tun.

00:08:11.781 --> 00:08:14.558
<v Thomas>Mein Vergleich, den ich im
ersten Semester mache, ist,

00:08:14.609 --> 00:08:19.070
<v Thomas>wenn man die Definition von einer Gruppe
gelernt hat, und dann ist Kommutativität.

00:08:19.421 --> 00:08:23.628
<v Thomas>Ist eine Eigenschaft, die unabhängig
ist von den Gruppenaxiomen.

00:08:23.628 --> 00:08:26.462
<v Thomas>Es gibt einfach kommutative Gruppen
und es gibt nicht-kommutative Gruppen.

00:08:26.513 --> 00:08:31.163
<v Thomas>Und so gibt es eben Mengenlehre mit
Auswahlaxiom und Mengenlehre ohne Auswahlaxiom.

00:08:31.163 --> 00:08:34.538
<v Petra>Ja, manche Sätze kann man halt nicht
beweisen, wenn man kein Auswahlaxiom hat.

00:08:34.538 --> 00:08:37.363
<v Thomas>Ja, ziemlich viele wichtige
Sätze kann man nicht beweisen,

00:08:37.414 --> 00:08:39.170
<v Thomas>wenn man kein Auswahlaxiom hat.

00:08:39.583 --> 00:08:42.810
<v Thomas>Zum Beispiel kann man nicht zeigen,
dass jeder Vektorraum eine Basis hat.

00:08:42.883 --> 00:08:45.513
<v Petra>Das ist das erste Mal, wo man das
sieht, und das ist total unfair,

00:08:45.513 --> 00:08:47.289
<v Petra>weil das kommt schon im ersten Semester.

00:08:47.642 --> 00:08:51.696
<v Petra>Und man kann das irgendwie nicht so
richtig vollständig einordnen immer,

00:08:51.696 --> 00:08:52.902
<v Petra>wenn man das unterrichtet.

00:08:52.902 --> 00:08:54.446
<v Petra>Man wedelt immer so ein
bisschen mit den Händen,

00:08:54.446 --> 00:08:56.762
<v Petra>erzählt irgendwie Geschichten
über das Auswahlaxiom,

00:08:56.933 --> 00:08:59.710
<v Petra>aber dass man das jetzt
so richtig fundiert, da…

00:09:00.460 --> 00:09:02.924
<v Thomas>Da ist so ein wichtiges
Maximalitätsprinzip.

00:09:02.924 --> 00:09:05.167
<v Thomas>Also ich will jetzt noch
über zwei Sachen reden,

00:09:05.167 --> 00:09:08.322
<v Thomas>die äquivalent zu diesem
Auswahlaxiom sind, also Aussagen,

00:09:08.332 --> 00:09:11.206
<v Thomas>die man aus dem Auswahlaxiom
und Mengenlehre beweisen kann,

00:09:11.336 --> 00:09:13.840
<v Thomas>und die aber auch, wenn
man die als Axiom nimmt…

00:09:13.840 --> 00:09:15.341
<v Thomas>…wieder das Auswahlaxiom beweisen.

00:09:15.341 --> 00:09:18.154
<v Thomas>Also das wäre dann so eine
äquivalente Aussage zum Auswahlaxiom.

00:09:18.284 --> 00:09:22.147
<v Thomas>Da gibt's diese Zornslämmere
aus dem ursprünglichen Witz

00:09:22.147 --> 00:09:25.340
<v Thomas>und diesen Wohlordnungssatz.
Da gibt's auch diesen Witz, kennst du den?

00:09:25.430 --> 00:09:27.151
<v Thomas>Man sagt irgendwie, das Axiom of Choice,

00:09:27.151 --> 00:09:29.273
<v Thomas>also das Auswahlaxiom
ist offensichtlich wahr,

00:09:29.273 --> 00:09:31.295
<v Thomas>das Wohlordnungsprinzip
offensichtlich falsch,

00:09:31.295 --> 00:09:33.046
<v Thomas>und Zornslämmer weiß man nicht so genau.

00:09:33.236 --> 00:09:34.878
<v Thomas>Der Witz ist aber, dass die
alle drei äquivalent sind.

00:09:34.878 --> 00:09:37.360
<v Thomas>Da will ich jetzt erstmal den
Wohlordnungssatz vielleicht sagen, weil der…

00:09:37.360 --> 00:09:38.971
<v Thomas>Ja. …offensichtlich falsch ist.

00:09:39.321 --> 00:09:42.033
<v Thomas>Also der Wohlordnungssatz
sagt, jede Menge,

00:09:42.363 --> 00:09:46.797
<v Thomas>jede, zum Beispiel die reellen Zahlen
oder so, kann wohlgeordnet werden.

00:09:47.027 --> 00:09:50.079
<v Thomas>Und das bedeutet, total angeordnet werden,

00:09:50.089 --> 00:09:52.881
<v Thomas>also alle in reiner Reihe,
wie so eine Perlenschnur.

00:09:52.971 --> 00:09:53.451
<v Petra>Ja.

00:09:53.451 --> 00:09:57.544
<v Thomas>Und noch mit der Zusatzeigenschaft, dass
jede Teilmenge ein kleines Element hat.

00:09:57.935 --> 00:10:01.097
<v Thomas>Zum Beispiel eine uns ganz
vertraute wohlgeordnete Menge sind

00:10:01.097 --> 00:10:04.860
<v Thomas>die natürlichen Zahlen. Mhm. Ja,
die fangen nämlich eben mit 1 an.

00:10:04.860 --> 00:10:07.245
<v Thomas>Dann... Und dann geht's immer weiter.

00:10:07.245 --> 00:10:09.432
<v Thomas>Und wenn ich irgendeine Teilmenge
von natürlichen Zahlen hatte,

00:10:09.432 --> 00:10:11.218
<v Thomas>dann gibt's da eben eine
kleinste natürliche Zahl.

00:10:11.218 --> 00:10:13.770
<v Thomas>Mhm. Also die sind so alle wie so eine
Perlenschnur, alle hintereinander.

00:10:13.800 --> 00:10:15.293
<v Thomas>Und dieser Wohlordnungssatz,

00:10:15.423 --> 00:10:18.008
<v Thomas>der sagt jetzt, man kann das
mit jeder Menge so machen,

00:10:18.008 --> 00:10:19.410
<v Thomas>die in eine Reihenfolge bringen,

00:10:19.410 --> 00:10:22.075
<v Thomas>so dass die in einer definierten
Reihenfolge sind, alle hintereinander,

00:10:22.075 --> 00:10:24.820
<v Thomas>total angeordnet, und jede
Teilmenge hat ein kleinstes Element.

00:10:24.820 --> 00:10:25.722
<v Thomas>Mhm.

00:10:25.722 --> 00:10:28.328
<v Petra>Also das kann man zum Beispiel
bei den reellen Zahlen mit

00:10:28.328 --> 00:10:31.415
<v Petra>der üblichen Ordnung, die man so auf
dem Zahlenstrahl sieht, schon sehen,

00:10:31.415 --> 00:10:32.257
<v Petra>dass das falsch ist, ne?

00:10:32.257 --> 00:10:33.159
<v Thomas>Genau, bei den reellen Zahlen.

00:10:33.159 --> 00:10:34.648
<v Petra>Wenn man da offene Intervalle nimmt,

00:10:34.648 --> 00:10:36.917
<v Petra>wo zum Beispiel das
Intervall zwischen 0 und 1,

00:10:36.917 --> 00:10:41.334
<v Petra>also alle Zahlen echt größer 0, echt
kleiner 1, da gibt es kein kleines Element.

00:10:41.344 --> 00:10:42.485
<v Thomas>Ja, alle Schwierigkeiten,

00:10:42.485 --> 00:10:44.307
<v Thomas>die man mit dieser Wohlordnung hat,

00:10:44.307 --> 00:10:47.800
<v Thomas>gedanklich spiegeln sich schon an
diesem Beispiel der reellen Zahlen.

00:10:48.051 --> 00:10:49.512
<v Thomas>Vielleicht kann man einmal
noch einen Schritt zurückgehen.

00:10:49.512 --> 00:10:53.486
<v Thomas>Bei den ganzen Zahlen ist
es irgendwie kein Problem,

00:10:53.537 --> 00:10:56.760
<v Thomas>denn man kann die ganzen Zahlen
so anordnen, indem man Und...

00:10:57.081 --> 00:10:59.315
<v Thomas>einfach die Bi-Aktion mit n herstellt,

00:10:59.366 --> 00:11:03.875
<v Thomas>indem man zum Beispiel mit 0 anfängt
und dann 1, minus 1, 2, minus 2,

00:11:03.875 --> 00:11:04.597
<v Thomas>also indem man die so...

00:11:04.597 --> 00:11:05.280
<v Petra>Genau, die sind einfach abzählbar.

00:11:05.280 --> 00:11:06.224
<v Petra>Ich stelle mir das immer so vor,

00:11:06.224 --> 00:11:08.081
<v Thomas>als ob man die so zusammenfaltet.

00:11:08.454 --> 00:11:09.642
<v Thomas>Und dann hat man sie...

00:11:09.642 --> 00:11:11.306
<v Thomas>Wenn man eine Bi-Aktion
mit n hergestellt hat,

00:11:11.306 --> 00:11:14.515
<v Thomas>dann hat man ja so eine Anordnung
im Prinzip gleich mitdefiniert.

00:11:14.515 --> 00:11:16.329
<v Thomas>Nicht nur eine Abzählung,
sondern auch eine Anordnung.

00:11:16.943 --> 00:11:18.530
<v Thomas>Aber bei den reellen Zahlen...

00:11:18.530 --> 00:11:18.691
<v Thomas>Na,

00:11:18.691 --> 00:11:20.498
<v Petra>die kannst du halt nicht abzählen, ne?

00:11:20.498 --> 00:11:22.624
<v Petra>Dann wird's... schon problematisch.

00:11:22.624 --> 00:11:25.594
<v Petra>Also da gibt's halt keine so eine
Projektion auf die natürlichen Zahlen.

00:11:25.594 --> 00:11:26.978
<v Thomas>Und für manche Menschen
ist das halt eine...

00:11:26.978 --> 00:11:27.478
<v Thomas>Und...

00:11:28.801 --> 00:11:32.344
<v Thomas>der Grund zu sagen, dass dieses
Wohlordnungsprinzip offensichtlich falsch ist.

00:11:32.344 --> 00:11:34.075
<v Thomas>Aber Zermelo wollte das ja beweisen.

00:11:34.325 --> 00:11:37.978
<v Thomas>Also er kam aufs Auswahlaxiom,
auf diese natürliche Aussage,

00:11:38.349 --> 00:11:41.021
<v Thomas>weil er diesen Wohlordnungssatz
beweisen wollte.

00:11:41.231 --> 00:11:42.752
<v Thomas>Also vielleicht ist es
auch natürlich zu denken,

00:11:42.752 --> 00:11:44.604
<v Thomas>dass der Wohlordnungssatz
richtig sein sollte.

00:11:44.734 --> 00:11:47.176
<v Petra>Na, wenn man über das Auswahlaxiom denkt,

00:11:47.176 --> 00:11:50.259
<v Petra>sollte man das besser denken
über den Wohlordnungssatz, ne?

00:11:50.259 --> 00:11:52.821
<v Petra>Sonst ist irgendwo...
ein Knick in der Logik.

00:11:52.821 --> 00:11:55.897
<v Thomas>Es gibt noch so eine ganz verrückte Sache,
die ich jetzt auch nicht so ganz...

00:11:55.897 --> 00:11:57.903
<v Thomas>Ich bin jetzt auch nicht
so der Mengentheoretiker.

00:11:57.903 --> 00:12:00.964
<v Thomas>Aber man kann irgendwie zeigen,
dass bestimmte von diesen Wohlordnungen,

00:12:00.964 --> 00:12:03.044
<v Thomas>die existieren müssen
nach dem Auswahlaxiom,

00:12:03.044 --> 00:12:05.645
<v Thomas>dass die nicht definiert werden
können in dieser normalen Sprache,

00:12:05.645 --> 00:12:07.990
<v Thomas>die man verwendet,
um Mathematik hinzuschreiben.

00:12:08.004 --> 00:12:12.411
<v Thomas>Das heißt, es ist wirklich eine
Existenzaussage, von der man zeigen kann,

00:12:12.411 --> 00:12:14.490
<v Thomas>dass sie niemals konstruktiv werden kann.

00:12:15.020 --> 00:12:15.862
<v Thomas>Also es ist nicht nur so,

00:12:15.862 --> 00:12:19.308
<v Thomas>dass wir keine Wohlordnung der reellen
Zahlen bisher hinschreiben könnten,

00:12:19.308 --> 00:12:20.380
<v Thomas>wir können es auch nicht.

00:12:20.450 --> 00:12:25.930
<v Thomas>Also mit der Sprache ist es
definitiv nur eine Existenzaussage.

00:12:26.081 --> 00:12:28.865
<v Petra>Das macht es wahrscheinlich so
schwierig, sich vorzustellen,

00:12:28.865 --> 00:12:30.026
<v Petra>dass man halt jetzt gerade,

00:12:30.026 --> 00:12:32.939
<v Petra>wenn es zum Beispiel um dieses
Beispiel mit den reellen Zahlen geht,

00:12:33.010 --> 00:12:38.506
<v Petra>man würde ganz gerne sehen, wie man die
denn wohlordnet, um diesem Widerspruch,

00:12:38.617 --> 00:12:41.510
<v Petra>dass eben diese offenen
Mengen keine kleinsten.

00:12:41.601 --> 00:12:43.387
<v Petra>Elemente haben, so ein
bisschen aus dem Weg zu gehen,

00:12:43.387 --> 00:12:47.010
<v Petra>aber das ist so ein Beispiel,
wo man es eben nicht hinschreiben kann.

00:12:47.342 --> 00:12:47.923
<v Thomas>Würdest du jetzt sagen,

00:12:47.923 --> 00:12:52.824
<v Thomas>es ist eine Aussage über die reellen
Zahlen oder eine Aussage über die Realität?

00:12:52.895 --> 00:12:55.264
<v Thomas>Oder eine Aussage über die
Realität der reellen Zahlen?

00:12:55.264 --> 00:12:57.279
<v Petra>Was denn? Dass man das
nicht hinschreiben kann?

00:12:57.279 --> 00:12:57.872
<v Thomas>Naja, dass sowas nicht geht.

00:12:57.882 --> 00:13:02.430
<v Thomas>Also dass man, wir mit unserer
Mathematik so eine Wohlordnung,

00:13:02.430 --> 00:13:07.478
<v Thomas>wenn sie existiert, also jeder Mensch
hat das Recht, unser universelles Mensch,

00:13:07.478 --> 00:13:09.010
<v Thomas>also das Auswahlaxiom gilt.

00:13:09.222 --> 00:13:09.564
<v Petra>Ja.

00:13:09.564 --> 00:13:11.863
<v Thomas>Sagen wir mal, du hast es ja auch schon
verwendet, ich habe es auch verwendet.

00:13:11.863 --> 00:13:15.096
<v Petra>Ja, das heißt, also man kann sich ja
entscheiden, ob das gilt oder nicht, ne?

00:13:15.096 --> 00:13:17.755
<v Petra>Also in jedem Setting.

00:13:18.729 --> 00:13:21.175
<v Petra>Also das ist immer einfacher,
wenn es gilt, finde ich,

00:13:21.175 --> 00:13:24.545
<v Petra>weil dann kann man die Sachen
beweisen, die man so beweisen will.

00:13:24.545 --> 00:13:25.747
<v Thomas>Ja, jeder weckt auch mal eine Basis.

00:13:25.747 --> 00:13:26.705
<v Thomas>Ja, zum Beispiel. Das ist
auch offensichtlich richtig.

00:13:26.705 --> 00:13:28.762
<v Thomas>Das ist übrigens auch
äquivalent zum Auswahlaxiom.

00:13:28.762 --> 00:13:30.349
<v Thomas>Also man kann sich auch wünschen,

00:13:30.349 --> 00:13:33.484
<v Thomas>man nimmt die Zermelo-Frenkel-Mengenlehre
und dann sagt man einfach,

00:13:33.484 --> 00:13:35.292
<v Thomas>dieser Satz, der muss
einfach richtig sein.

00:13:35.292 --> 00:13:36.884
<v Thomas>Jeder Vektorraum hat eine Basis.

00:13:36.884 --> 00:13:39.156
<v Thomas>Und dann beweist man das Auswahlaxiom.

00:13:39.156 --> 00:13:40.150
<v Thomas>Das geht auch.

00:13:40.381 --> 00:13:43.366
<v Petra>Also du meinst, das ist eine Aussage,
ja, ich weiß nicht, ich glaube,

00:13:43.366 --> 00:13:46.502
<v Petra>das ist eher so eine Aussage über,

00:13:47.193 --> 00:13:50.989
<v Petra>nicht über die reellen Zahlen, da gibt
es ja viele, viele Anwendungsbereiche.

00:13:52.366 --> 00:13:54.290
<v Thomas>Also du sagst, die reellen Zahlen gibt es.

00:13:54.353 --> 00:13:55.010
<v Petra>Hä?

00:13:55.625 --> 00:13:59.391
<v Thomas>Ich will so ein bisschen rausfinden,
ob wir über die Realität reden,

00:13:59.461 --> 00:14:03.464
<v Thomas>ob wir mit den reellen Zahlen versuchen,
irgendwie die Realität abzubilden,

00:14:03.464 --> 00:14:06.116
<v Thomas>dass wenn ich eine Kante, hier
die Kante von meinem Tisch habe,

00:14:06.406 --> 00:14:09.838
<v Thomas>dass die verschiedenen Punkte,
die es auf dieser Kante gibt,

00:14:10.189 --> 00:14:11.720
<v Thomas>eben reelle Zahlen sind,

00:14:12.310 --> 00:14:14.972
<v Thomas>oder ob die reellen Zahlen irgendwie
ein Konstrukt sind, was versucht,

00:14:14.972 --> 00:14:17.114
<v Thomas>das zu approximieren, aber
irgendwie doch anders ist.

00:14:17.114 --> 00:14:18.275
<v Thomas>Und wir sehen das an diesen Sätzen,

00:14:18.275 --> 00:14:21.227
<v Thomas>dass es eigentlich was anderes ist
als unsere physikalische Realität.

00:14:21.397 --> 00:14:26.030
<v Petra>Letzteres, weil, also hast du schon mal
versucht, eine Küstenlänge zu messen?

00:14:26.907 --> 00:14:27.836
<v Petra>Da siehst du auch,

00:14:27.836 --> 00:14:29.655
<v Thomas>dass... Da ist ja immer das Wasser,
das schwappt ja immer so hin und her,

00:14:29.655 --> 00:14:29.998
<v Thomas>oder was heißt das?

00:14:29.998 --> 00:14:31.753
<v Petra>Ja, angenommen, du kannst ein Foto,

00:14:31.803 --> 00:14:34.216
<v Petra>selbst wenn du ein Foto
machen könntest und dann

00:14:34.567 --> 00:14:36.770
<v Petra>das Wasser einfrieren zu
einem festen Zeitpunkt,

00:14:36.770 --> 00:14:40.715
<v Petra>selbst dann ist es eine Frage der
Granularität und wie genau du misst,

00:14:40.715 --> 00:14:44.210
<v Petra>wie lang die Küste wird, ja? Weil misst
du um die Steinchen rum oder nicht?

00:14:44.301 --> 00:14:45.725
<v Petra>Also ich würde jetzt nicht so reingehen,

00:14:45.725 --> 00:14:49.074
<v Thomas>bis auf Atomlevel, also dann kommt man
gleich auf diese griechische Frage,

00:14:49.074 --> 00:14:51.420
<v Thomas>was sind die Bausteine,
aus denen alles zusammengesetzt ist.

00:14:51.420 --> 00:14:54.624
<v Petra>Genau, also wo hörst du auf,
sozusagen das zu approximieren, ja?

00:14:54.624 --> 00:14:56.006
<v Petra>Und dann, je feiner du das machst,

00:14:56.006 --> 00:14:58.489
<v Petra>desto länger wird halt die
Küstenlinie und ich glaube,

00:14:58.489 --> 00:15:00.251
<v Petra>dass es eher so eine Frage ist, ja?

00:15:00.251 --> 00:15:03.615
<v Petra>Also, das ist fast
schon philosophisch, ja?

00:15:03.615 --> 00:15:04.936
<v Petra>Was ist überhaupt die Realität?

00:15:04.936 --> 00:15:07.339
<v Petra>Wie genau, was ist
überhaupt die Tischkante?

00:15:07.339 --> 00:15:08.365
<v Petra>Wie genau misst du das?

00:15:08.365 --> 00:15:09.702
<v Petra>Also natürlich sind die,

00:15:09.714 --> 00:15:14.622
<v Petra>also für mich sind diese mathematischen
Sachen erstmal losgelöst von der Realität.

00:15:14.622 --> 00:15:16.704
<v Petra>Die sind natürlich oft inspiriert dadurch

00:15:16.704 --> 00:15:19.306
<v Petra>und haben umgekehrt extrem
viele Anwendungen da drauf.

00:15:19.306 --> 00:15:20.737
<v Petra>Also wir können ganz viele

00:15:20.987 --> 00:15:24.670
<v Petra>existierende Phänomene mit
mathematischen Modellen beschreiben,

00:15:24.670 --> 00:15:26.942
<v Petra>auch sehr gut beschreiben
und da untersuchen.

00:15:27.513 --> 00:15:28.343
<v Petra>Aber

00:15:29.354 --> 00:15:30.685
<v Petra>die sind nicht identisch.

00:15:32.196 --> 00:15:36.630
<v Petra>Ja, also die reellen Zahlen in der
Realität zu suchen ist irgendwie

00:15:37.881 --> 00:15:40.997
<v Petra>Falsch, weil die sind ja unendlich viele

00:15:41.388 --> 00:15:47.820
<v Petra>und es gibt in unserer existierenden Welt
nichts, was wirklich unendlich groß ist.

00:15:47.820 --> 00:15:51.227
<v Petra>Ja, es gibt auch kein Objekt,
was auf der Erde existiert,

00:15:51.227 --> 00:15:54.082
<v Petra>was unendlich viele Elemente enthält,

00:15:54.573 --> 00:15:57.841
<v Petra>was ja für die Menge aller reellen
Zahlen schon der Fall ist zum Beispiel.

00:15:57.841 --> 00:16:00.007
<v Thomas>Also dieses Kontinuum, da hatten
wir aber schon mal drüber geredet,

00:16:00.007 --> 00:16:04.899
<v Thomas>dass es dieses Kontinuum, also die Frage,
ob es das Kontinuum wirklich gibt.

00:16:04.899 --> 00:16:05.124
<v Thomas>Okay.

00:16:05.124 --> 00:16:06.437
<v Petra>Ist aber irrelevant, glaube ich, ne?

00:16:06.437 --> 00:16:07.308
<v Petra>Ich hab vergessen,

00:16:07.308 --> 00:16:10.607
<v Thomas>welche Folge das war. Ist das irrelevant?

00:16:10.607 --> 00:16:13.341
<v Thomas>Ist es eine philosophische
Frage vielleicht?

00:16:13.341 --> 00:16:15.103
<v Petra>Ja, fürs praktische Tun, sag ich mal,

00:16:15.103 --> 00:16:18.148
<v Petra>oder auch für die Anwendung der Mathematik
ist es irrelevant, das meine ich.

00:16:18.148 --> 00:16:21.212
<v Petra>Also nicht das zu entscheiden,
damit kann man sich schon beschäftigen,

00:16:21.212 --> 00:16:26.802
<v Petra>und das hat sicher auch gute Gründe,
darüber nachzudenken, aber…

00:16:26.802 --> 00:16:27.624
<v Thomas>Ja, ich frag mich halt immer,

00:16:27.624 --> 00:16:31.923
<v Thomas>ob das irgendwann später zu Problemen
führen wird, wenn wir immer die…

00:16:32.875 --> 00:16:35.290
<v Thomas>Diese Frage beschreiben wir
eigentlich noch das Richtige.

00:16:35.682 --> 00:16:37.930
<v Thomas>Immer nach hinten verschieben
und immer nur sagen, ja,

00:16:37.930 --> 00:16:39.375
<v Thomas>das hat ja bisher eigentlich
ganz gut funktioniert,

00:16:39.375 --> 00:16:40.701
<v Thomas>das lassen wir aber weitermachen.

00:16:40.701 --> 00:16:43.644
<v Petra>Ja, aber was Besseres hat man nicht
in der beschreibenden Wissenschaft.

00:16:43.644 --> 00:16:46.368
<v Petra>Ja, du kannst Experimente machen,
Modelle aufstellen und gucken,

00:16:46.368 --> 00:16:47.349
<v Petra>ob die Experimente,

00:16:47.349 --> 00:16:48.530
<v Petra>die du danach machst,

00:16:48.530 --> 00:16:50.102
<v Petra>wieder zu deinem Modell passen

00:16:50.392 --> 00:16:54.237
<v Petra>und dich dadurch hoffentlich
immer näher der Wahrheit,

00:16:54.237 --> 00:16:57.030
<v Petra>was auch immer das ist, nähern.

00:16:57.923 --> 00:16:58.947
<v Thomas>Jetzt habe ich dich in eine Falle gelockt,

00:16:58.947 --> 00:17:01.541
<v Thomas>weil jetzt hast du gerade argumentiert,
dass Mathematik eine Naturwissenschaft ist.

00:17:01.541 --> 00:17:03.767
<v Petra>Nein, ich habe nur gesagt,
in der Anwendung.

00:17:03.767 --> 00:17:06.836
<v Petra>Also das habe ich nicht gesagt, dass
Mathematik eine Naturwissenschaft ist,

00:17:06.836 --> 00:17:08.121
<v Petra>aber da wird sie verwendet.

00:17:08.121 --> 00:17:11.027
<v Petra>Und wenn du sie aber nicht
als solche anwenden willst,

00:17:11.027 --> 00:17:14.193
<v Petra>wenn du sie nicht in der Naturwissenschaft
anwenden willst, ist es auch egal,

00:17:14.193 --> 00:17:17.890
<v Petra>ob sie die realen Phänomene
exakt beschreibt oder nicht.

00:17:17.902 --> 00:17:19.027
<v Thomas>Das ist vielleicht die zweite Rolle.

00:17:19.027 --> 00:17:22.710
<v Thomas>Also die eine ist so die Sprache,
in der die Naturgesetze geschrieben sind.

00:17:22.840 --> 00:17:25.566
<v Thomas>Und die andere Rolle ist vielleicht
diese ontologische Rolle in

00:17:25.566 --> 00:17:27.229
<v Thomas>der Philosophie, erstmal zu definieren,

00:17:27.229 --> 00:17:32.586
<v Thomas>was gibt's für Dinge und wie,
in was für Zusammenhängen stehen die.

00:17:32.586 --> 00:17:35.441
<v Thomas>Genau, also Mathematik. Also wenn-dann,
eben diese Wenn-dann-Beziehung.

00:17:35.441 --> 00:17:36.943
<v Petra>Genau, Mathematik, würde ich sagen,

00:17:36.943 --> 00:17:39.908
<v Petra>ist für sich genommen jetzt
erstmal losgelöst davon,

00:17:39.908 --> 00:17:44.466
<v Petra>wie genau sie irgendwelche real
existierenden Dinge beschreibt oder nicht.

00:17:45.218 --> 00:17:51.850
<v Petra>Einfach als Wissenschaft die abstrakte
Zusammenhänge beschreibt und untersucht.

00:17:52.582 --> 00:17:54.886
<v Petra>Und gerade weil sie losgelöst ist,

00:17:54.886 --> 00:17:57.391
<v Petra>kann sie umso mächtiger
sein in der Anwendung,

00:17:57.391 --> 00:18:00.056
<v Petra>weil man sich nämlich erstmal
rein strukturell überlegt,

00:18:00.056 --> 00:18:01.359
<v Petra>wie die Zusammenhänge sind,

00:18:01.359 --> 00:18:06.076
<v Petra>ohne vielleicht auch irregeführt zu
werden von Anwendungen oder Phänomenen,

00:18:06.076 --> 00:18:08.917
<v Petra>die man beobachtet. Ist aber schon
sehr philosophisch jetzt alles.

00:18:08.917 --> 00:18:12.032
<v Thomas>Ja. Ich versuche gerade mich zu erinnern,
was in unserer ersten Folge,

00:18:12.032 --> 00:18:13.890
<v Thomas>was ist Mathematik, vorkam.

00:18:14.147 --> 00:18:15.287
<v Petra>Da haben wir es, glaube ich, auch.

00:18:15.687 --> 00:18:17.304
<v Thomas>Da kamen wir bestimmt auch auf sowas.

00:18:17.304 --> 00:18:19.920
<v Petra>Ja, wir haben sehr viele Aspekte,
glaube ich, andiskutiert.

00:18:19.920 --> 00:18:22.114
<v Thomas>Ich mache mal ein bisschen weiter.

00:18:22.425 --> 00:18:26.302
<v Thomas>Tarski, der ja auch öfter mal
vorkommt, der hat bewiesen,

00:18:26.412 --> 00:18:29.037
<v Thomas>dass das Auswahlaxiom
äquivalent zu der Aussage ist,

00:18:29.037 --> 00:18:30.890
<v Thomas>dass wenn ich eine unendliche Menge habe,

00:18:31.300 --> 00:18:36.995
<v Thomas>und ich nehme die Menge der Paare,
geordneten Paare, von Elementen aus A,

00:18:37.125 --> 00:18:40.208
<v Thomas>also die unendliche Menge heißt A,
sagen wir mal, aus A und A,

00:18:40.208 --> 00:18:41.930
<v Thomas>also das karthesische Produkt von A mit A,

00:18:41.930 --> 00:18:45.142
<v Thomas>das ist die Menge der Paare von
zwei Elementen aus A mit Ordnung.

00:18:45.813 --> 00:18:48.325
<v Thomas>Und die haben die gleiche Größe.

00:18:48.415 --> 00:18:49.716
<v Thomas>Also wenn das Auswahlaxiom gilt,

00:18:49.716 --> 00:18:54.572
<v Thomas>dann hat eine unendliche Menge A
die gleiche Größe wie A kreuz A. Und

00:18:54.943 --> 00:18:56.616
<v Thomas>da hat er es bewiesen,

00:18:56.948 --> 00:18:59.483
<v Thomas>dass das Äquivalenzium
ein Auswahlaxiom ist,

00:18:59.493 --> 00:19:02.583
<v Thomas>und hat es an diese Zeitschrift
Compte-Rendu geschickt.

00:19:02.583 --> 00:19:07.302
<v Thomas>Und Fréchet und Lebec waren die Editoren,
und die haben das nicht angenommen.

00:19:07.302 --> 00:19:09.276
<v Thomas>Und Fréchet hat geschrieben,

00:19:09.608 --> 00:19:10.800
<v Thomas>das ist irrelevant,

00:19:11.011 --> 00:19:15.150
<v Thomas>weil das eine Implikation zwischen zwei
bekanntermaßen wahren Aussagen ist.

00:19:15.904 --> 00:19:17.804
<v Thomas>Und Lebec hat geschrieben,

00:19:18.017 --> 00:19:23.390
<v Thomas>dass es abzulehnen, weil es eine Äquivalenz
zwischen zwei falschen Aussagen ist.

00:19:23.843 --> 00:19:25.892
<v Petra>Okay. Das heißt, die waren
sich auch nicht einig,

00:19:25.892 --> 00:19:27.801
<v Petra>ob sie jetzt ans Auswahlaxiom glauben?

00:19:27.801 --> 00:19:28.863
<v Thomas>Manchmal hat man so ein
bisschen das Gefühl,

00:19:28.863 --> 00:19:29.545
<v Thomas>dass das, naja,

00:19:29.545 --> 00:19:31.710
<v Thomas>vielleicht ist es auch nur die
Unkenntnis der modernen Mathematik,

00:19:31.710 --> 00:19:33.353
<v Thomas>aber manchmal hat man,
ich zumindest, das Gefühl,

00:19:33.353 --> 00:19:35.780
<v Thomas>dass da eine richtig spannende
Zeit war in der Mathematik.

00:19:35.780 --> 00:19:39.170
<v Thomas>Also diese Grundlagenkrise
in der ersten Hälfte des 20.

00:19:39.170 --> 00:19:41.947
<v Thomas>Jahrhunderts, wo man
sich so richtig mit den,

00:19:42.079 --> 00:19:44.131
<v Thomas>wo man so richtig ringen musste damit,

00:19:44.141 --> 00:19:45.502
<v Thomas>machen wir jetzt hier
überhaupt das Richtige

00:19:45.502 --> 00:19:46.763
<v Thomas>oder machen wir irgendwelchen Quatsch,

00:19:46.763 --> 00:19:49.555
<v Thomas>der am Ende sich als
widersprüchlich herausstellte?

00:19:49.846 --> 00:19:54.550
<v Thomas>Und die ist ja auch nie
richtig geheilt worden,

00:19:54.550 --> 00:19:56.551
<v Thomas>sondern man hat sich so
ein bisschen sozusagen,

00:19:56.551 --> 00:19:59.904
<v Thomas>man hat das alles kartografiert,
was es da so gibt,

00:20:00.014 --> 00:20:03.406
<v Thomas>und dann einen Frieden damit
gefunden, dass das also,

00:20:03.797 --> 00:20:06.659
<v Thomas>man kann sich jetzt sicherer sein,
dass es widerspruchsfrei ist,

00:20:06.659 --> 00:20:07.810
<v Thomas>aber eben nicht sicher.

00:20:07.860 --> 00:20:11.927
<v Petra>Genau, also eigentlich sind wir auch
nicht viel besser dran jetzt, ja,

00:20:11.927 --> 00:20:17.297
<v Petra>weil wir wissen nicht, ob wir in einem
mathematischen Universum arbeiten,

00:20:17.297 --> 00:20:19.430
<v Petra>wo es widerspruchsfrei ist, ja.

00:20:19.923 --> 00:20:23.240
<v Petra>Könnte passieren, dass wir an irgendwelche
Grenzen stoßen und das gar nicht merken.

00:20:23.240 --> 00:20:26.670
<v Petra>Ja, aber ich glaube jetzt im Moment
sind auch super spannende Zeiten,

00:20:26.670 --> 00:20:30.270
<v Petra>das führt total weg von diesem Thema,
was wir eigentlich diskutieren gerade.

00:20:30.345 --> 00:20:32.950
<v Petra>Aber was ja im Moment, ähm...

00:20:33.781 --> 00:20:35.002
<v Petra>aufploppt immer mal wieder,

00:20:35.002 --> 00:20:39.228
<v Petra>in den kürzlichen Jahren sind ja diese
künstliche Intelligenz in der Verwendung

00:20:39.228 --> 00:20:43.003
<v Petra>der Forschung, die anwendungsfrei ist, ja.

00:20:43.454 --> 00:20:48.490
<v Petra>Also die, wo man diese
Algorithmen benutzt, um...

00:20:48.760 --> 00:20:54.687
<v Petra>... beispielbasiert neue Sätze zu
finden mit milliardenfachen Beispielen

00:20:54.687 --> 00:20:55.949
<v Petra>und eben künstlicher Intelligenz,

00:20:55.949 --> 00:20:58.842
<v Petra>die versucht, Muster zu erkennen in
den Beispielen, die sie ausrechnet.

00:20:59.333 --> 00:21:00.935
<v Petra>Und das finde ich auch
unglaublich spannend,

00:21:00.935 --> 00:21:04.239
<v Petra>weil das wahrscheinlich schon auch unsere
Arbeitsweise verändern wird noch in

00:21:04.239 --> 00:21:05.490
<v Petra>der nächsten Zeit.

00:21:06.182 --> 00:21:08.506
<v Thomas>Ich denke mal, du spielst
auf dieses eine Nature Paper,

00:21:08.506 --> 00:21:11.080
<v Thomas>was da gerade erschienen ist, an.

00:21:11.311 --> 00:21:13.345
<v Thomas>Ja, genau. Das können wir auch verlinken.

00:21:13.535 --> 00:21:16.170
<v Thomas>Das habe ich auch gelesen.
Und da ist so eine...

00:21:16.281 --> 00:21:19.703
<v Thomas>eigentlich eine relativ einfache
Formulierung von Mathematik als

00:21:19.734 --> 00:21:21.410
<v Thomas>so eine Art Abbildung.

00:21:21.504 --> 00:21:23.876
<v Thomas>Und dann versucht man mit diesen
Machine Learning Algorithmen diese

00:21:23.876 --> 00:21:25.795
<v Thomas>Abbildung zu lernen. Das hat mich
wieder an das Go-Spielen erinnert.

00:21:25.795 --> 00:21:29.910
<v Thomas>Das ist ja auch von diesen DeepMind-Leuten,
die irgendwie Go spielen als...

00:21:30.224 --> 00:21:32.157
<v Thomas>erste Durchbruchsanwendung hatten.

00:21:32.157 --> 00:21:33.963
<v Petra>Fand ich aber spannend,

00:21:33.963 --> 00:21:35.595
<v Petra>weil die halt wirklich einfach

00:21:36.106 --> 00:21:39.090
<v Petra>massenweise Beispiele produzieren
und dann einfach nicht,

00:21:39.090 --> 00:21:39.911
<v Petra>wie man es bisher macht,

00:21:39.911 --> 00:21:42.474
<v Petra>wenn man den Computer benutzt,
um sich Beispiele auszurechnen,

00:21:42.474 --> 00:21:44.998
<v Petra>dann sozusagen von Hand drauf
zu gucken und zu hoffen,

00:21:44.998 --> 00:21:46.590
<v Petra>dass man irgendein Muster erkennt.

00:21:46.860 --> 00:21:48.392
<v Petra>Und dann irgendwas beweisen kann,

00:21:48.583 --> 00:21:50.646
<v Petra>sondern eben die Maschine
auch noch versucht,

00:21:50.646 --> 00:21:54.972
<v Petra>sozusagen natürlich angeleitet durch
mathematisches Vorwissen und auch Fachwissen,

00:21:54.972 --> 00:21:55.983
<v Petra>Expertenwissen,

00:21:56.294 --> 00:22:00.930
<v Petra>aber dann sozusagen die Maschine einfach
suchen lässt nach möglichen Mustern.

00:22:01.123 --> 00:22:05.241
<v Petra>Und das ist ja nochmal ein ganz neuer
Gedanke, der da irgendwie vorkommt.

00:22:05.241 --> 00:22:08.439
<v Thomas>Aber beim Go-Spielen war es
eigentlich ähnlich, würde ich sagen,

00:22:08.690 --> 00:22:10.484
<v Thomas>dass der Durchbruch kam dadurch,

00:22:10.514 --> 00:22:16.154
<v Thomas>dass man weggegangen ist von dem
Computer-Go-Spielen beibringen,

00:22:16.344 --> 00:22:17.846
<v Thomas>in dem Sinne, dass
Menschen sich überlegen,

00:22:17.846 --> 00:22:21.671
<v Thomas>was ist ein guter Zug und versuchen
das jetzt in ein Programm zu kodieren.

00:22:21.671 --> 00:22:23.903
<v Thomas>Das war der alte Zugang und
der hat nie funktioniert.

00:22:24.033 --> 00:22:26.766
<v Thomas>Und der neue Zugang war, wir tun
da einfach nur die Regeln rein.

00:22:27.297 --> 00:22:29.750
<v Thomas>Die Regeln. Die Regeln sind
alles, was man braucht.

00:22:30.381 --> 00:22:32.674
<v Thomas>Und so ist es im Prinzip
in der Mathematik auch.

00:22:32.764 --> 00:22:35.368
<v Thomas>Also die Regeln sind
alles, was man braucht.

00:22:35.368 --> 00:22:39.673
<v Thomas>Es gibt eben die Regeln des
logischen Schließens und die Axiome,

00:22:39.673 --> 00:22:42.366
<v Thomas>das ist sowieso die
Brettposition, wo geht's los.

00:22:42.417 --> 00:22:45.070
<v Thomas>Und jetzt ist es sozusagen,
dann gibt's irgendein Ziel.

00:22:45.540 --> 00:22:49.383
<v Petra>Das ist halt nicht so fest definiert,
wenn du Forschungsmathematik machst.

00:22:49.383 --> 00:22:53.406
<v Petra>Also beim Go ist es irgendwie klarer
sozusagen, wie es laufen soll.

00:22:53.406 --> 00:22:57.759
<v Petra>Und es ist vor allem endlich. Also
irgendwann ist das Brett halt voll mit Stein.

00:22:58.430 --> 00:23:00.171
<v Petra>Und die Mathematik ist halt nicht endlich.

00:23:00.171 --> 00:23:03.043
<v Petra>Das heißt, du kannst den
Computer halt nicht einfach,

00:23:03.293 --> 00:23:04.614
<v Petra>also wenn du ihn alles beweisen lässt,

00:23:04.614 --> 00:23:06.416
<v Petra>was potenziell da ist,

00:23:06.416 --> 00:23:09.368
<v Petra>dann ist da halt auch viel einfach
uninteressantes Zeug dabei.

00:23:09.938 --> 00:23:11.820
<v Petra>Und es hört vor allem nie auf.

00:23:11.820 --> 00:23:12.320
<v Petra>Also.

00:23:13.160 --> 00:23:15.583
<v Thomas>Ja, vielleicht aber, wenn die
Menschen das Ziel vorgeben,

00:23:15.583 --> 00:23:19.598
<v Petra>irgendein sinnvolles
Ziel oder ein Framework,

00:23:19.608 --> 00:23:22.381
<v Thomas>dann könnte daraus was werden.

00:23:22.532 --> 00:23:25.825
<v Thomas>Wo du gerade Spiel sagst, das bringt
mich noch auf eine kleine Tangente.

00:23:25.936 --> 00:23:28.479
<v Thomas>Da gibt es das Determiniertheitsaxiom.

00:23:28.479 --> 00:23:29.830
<v Thomas>Hast du von dem schon was gehört?

00:23:30.380 --> 00:23:32.723
<v Thomas>Das ist irgendwie aus den
60ern und das ist inkompatibel.

00:23:32.723 --> 00:23:36.186
<v Thomas>Ist auch so ein Axiom, was man irgendwie,
das kommt aber aus der Spieltheorie.

00:23:36.186 --> 00:23:39.109
<v Thomas>Also es gibt irgendwie so einen Satz
von Zermelo, auch wieder der gleiche,

00:23:39.109 --> 00:23:41.351
<v Thomas>der sagt, dass wenn man
ein endliches Spiel hat,

00:23:41.351 --> 00:23:43.082
<v Thomas>was auch immer ein Spiel jetzt ist,

00:23:43.253 --> 00:23:45.615
<v Thomas>dass es dann immer
sozusagen entweder für einen

00:23:45.615 --> 00:23:46.996
<v Thomas>Spieler eine Gewinnstrategie gibt

00:23:46.996 --> 00:23:50.870
<v Thomas>oder es gibt für beide Spieler so
eine Draw-Strategy, also wo die halt…

00:23:51.321 --> 00:23:53.096
<v Thomas>immer einen Unentschieden
herbeiführen können.

00:23:53.528 --> 00:23:55.033
<v Thomas>Und das Determiniertheitsaxiom heißt,

00:23:55.033 --> 00:23:57.570
<v Thomas>dass es für bestimmte
unendliche Spiele auch gilt.

00:23:57.822 --> 00:24:01.359
<v Thomas>Und das ist eigentlich so ein
verkapptes Axiom der Mengenlehre,

00:24:01.449 --> 00:24:03.674
<v Thomas>weil man daraus alle möglichen
Sachen herleiten kann.

00:24:03.674 --> 00:24:04.736
<v Thomas>Zum Beispiel, dass alle…

00:24:04.736 --> 00:24:06.830
<v Thomas>Wenn man das zu der
Mengenlehre noch dazu nimmt,

00:24:07.101 --> 00:24:10.616
<v Thomas>dann kann man zeigen, dass alle
Teilmengen von R Lebesgue-messbar sind.

00:24:11.007 --> 00:24:13.952
<v Thomas>Und deswegen ist das inkompatibel
mit dem Auswahlaxiom,

00:24:13.952 --> 00:24:16.075
<v Thomas>weil das eine Konsequenz
von dem Auswahlaxiom ist,

00:24:16.075 --> 00:24:19.010
<v Thomas>dass es so nicht Lebesgue-messbare
Teilmengen von R gibt.

00:24:20.162 --> 00:24:23.569
<v Thomas>Und es gibt auch so eine Art Mathematik
mit diesem Determiniertheitsaxiom,

00:24:23.569 --> 00:24:24.972
<v Thomas>aber dann hat man eben
das Auswahlaxiom nicht,

00:24:24.972 --> 00:24:28.281
<v Thomas>aber das ist so eine
Verbindung zu Spieltheorie.

00:24:28.281 --> 00:24:29.764
<v Thomas>Habe ich neulich einen
Podcast darüber gehört,

00:24:29.764 --> 00:24:34.292
<v Thomas>von My Favorite Theorem gibt es so
eine Folge mit dem Joel David Hamkins,

00:24:34.292 --> 00:24:37.127
<v Thomas>in dem erzählt er darüber. Ich will
die Folge jetzt nicht nacherzählen,

00:24:37.137 --> 00:24:38.770
<v Thomas>aber die verlinken wir dann mal.

00:24:38.981 --> 00:24:41.289
<v Thomas>Aber ich will natürlich diese
Folge nicht vorbeigehen lassen,

00:24:41.289 --> 00:24:43.623
<v Thomas>ohne dieses Banach-Tarski-Paradoxon
noch zu erwähnen.

00:24:43.623 --> 00:24:46.824
<v Thomas>Das ist super. Das ist auch eine
Konsequenz aus dem Auswahlaxiom.

00:24:46.824 --> 00:24:48.231
<v Petra>Das könnte einem auch glauben lassen,

00:24:48.231 --> 00:24:49.839
<v Petra>dass das Auswahlaxiom
besser nicht gelten soll.

00:24:49.839 --> 00:24:52.577
<v Thomas>Und hat auch mit Gruppentheorie irgendwie
zu tun, aber so richtig verstehe ich den

00:24:53.569 --> 00:24:56.084
<v Thomas>Beweis nicht, oder ich habe
ihn mir noch nicht so genau

00:24:57.638 --> 00:25:00.250
<v Thomas>zu Gemüte geführt. Aber die Aussage ist...

00:25:00.321 --> 00:25:04.048
<v Thomas>Man nimmt eine dreidimensionale Kugel,
aber eine dreidimensionale Kugel reicht,

00:25:04.048 --> 00:25:08.136
<v Thomas>also wie so eine ausgefüllte
Kugel im Inneren,

00:25:08.136 --> 00:25:10.210
<v Thomas>eine ausgefüllte Kugel
im Dreidimensionalen.

00:25:10.761 --> 00:25:16.288
<v Thomas>Jetzt kann man eine Unterteilung dieser
Kugel angeben in fünf oder sechs,

00:25:16.288 --> 00:25:22.105
<v Thomas>jedenfalls nicht sehr viele Teilmengen,
die man sich jetzt ziemlich staubig und

00:25:23.217 --> 00:25:26.090
<v Thomas>kompliziert vorstellen muss.

00:25:26.300 --> 00:25:29.895
<v Thomas>Und dann nimmt man diese fünf
Teilmengen und arrangiert die neu,

00:25:30.206 --> 00:25:35.533
<v Thomas>sodass zwei Kugeln von gleichem Radius
wie die erste Kugel überbleiben,

00:25:35.533 --> 00:25:38.546
<v Thomas>die auch total ausgefüllt sind.

00:25:38.556 --> 00:25:40.700
<v Thomas>Also die Verdopplung der Kugel sozusagen.

00:25:40.700 --> 00:25:41.924
<v Thomas>Also wenn man sich jetzt vorstellen würde,

00:25:41.924 --> 00:25:45.216
<v Thomas>die Kugel wäre aus Gold, dann hätte
man hinterher zwei Goldkugeln,

00:25:45.216 --> 00:25:48.609
<v Thomas>wenn man das machen könnte.
Und was sagt uns das jetzt?

00:25:48.609 --> 00:25:51.889
<v Thomas>Also in der Konstruktion dieser Teilmengen

00:25:52.621 --> 00:25:55.236
<v Thomas>spielt das Auswahlaxiom irgendwie
eine entscheidende Rolle.

00:25:55.828 --> 00:26:00.139
<v Thomas>Und es ist natürlich auch klar, dass es
in der Realität so nicht gehen sollte.

00:26:00.139 --> 00:26:04.143
<v Thomas>Es widerspricht allen möglichen Erhaltungssätzen,
die die Physik für wahr hält.

00:26:04.143 --> 00:26:05.550
<v Thomas>Und zeigt dann irgendwie,

00:26:05.550 --> 00:26:07.950
<v Thomas>dass die Mathematik manchmal
doch keine Naturwissenschaft ist.

00:26:08.563 --> 00:26:11.638
<v Petra>Ja, würde ich sowieso nicht sagen, dass
die Mathematik eine Naturwissenschaft ist.

00:26:11.638 --> 00:26:12.434
<v Petra>Stimmt, aber würdest du nie sagen.

00:26:12.434 --> 00:26:14.257
<v Thomas>Nee. Hast du ja vorhin schon gesagt,
dass du das nie sagen würdest.

00:26:14.257 --> 00:26:15.985
<v Petra>Ja, ja. Nee, genau.

00:26:15.985 --> 00:26:19.300
<v Petra>Aber das ist zumindest widerspricht das
jeglicher Intuition, die man so hat.

00:26:19.300 --> 00:26:22.791
<v Petra>Ja, also man kann tatsächlich
Kugeln, Volumen verdoppeln.

00:26:22.791 --> 00:26:25.909
<v Petra>Das klingt irgendwie nicht
so, so wie es sein sollte.

00:26:26.221 --> 00:26:28.887
<v Thomas>Für mich ist irgendwie das Argument,
dass diese Vorstellung,

00:26:28.887 --> 00:26:33.064
<v Thomas>die wir vom R, von den reellen Zahlen,
und auch von R hoch 3 dann haben,

00:26:33.335 --> 00:26:35.643
<v Thomas>dass die eben nicht mit
der Realität zusammenpasst.

00:26:35.643 --> 00:26:35.905
<v Petra>Ja.

00:26:35.905 --> 00:26:39.008
<v Thomas>Also so diese, wir stellen uns
halt eben so eine Kugel und den R3.

00:26:40.001 --> 00:26:44.323
<v Thomas>Eben als die Menge von den Punkten mit
drei reellen Zahlen als Koordinaten vor.

00:26:44.323 --> 00:26:47.623
<v Petra>Genau, man stellt es halt so vor
wie seinen eigenen Anschauungsraum.

00:26:47.623 --> 00:26:50.463
<v Petra>Ja, ich kann irgendwie nach links,
rechts, vorne, hinten, oben, unten gehen.

00:26:50.463 --> 00:26:51.327
<v Thomas>Aber es schmerzt schon ein bisschen,

00:26:51.327 --> 00:26:55.667
<v Thomas>weil wenn ich in einer Vorlesung stehe,
dann nehme ich den R3 als Beispiel,

00:26:55.667 --> 00:26:57.573
<v Thomas>weil alle das gewohnt sind und weil viele,

00:26:57.573 --> 00:26:59.849
<v Thomas>viele Sachen genauso funktionieren
wie in unserer Anschauung.

00:27:00.266 --> 00:27:02.450
<v Thomas>Aber manche Sachen eben auch nicht.

00:27:02.605 --> 00:27:04.825
<v Thomas>Oder es ist wieder ein Argument
gegen das Auswahlaxiom.

00:27:04.825 --> 00:27:07.470
<v Petra>Genau, entweder das oder
klonen geht halt doch.

00:27:07.701 --> 00:27:08.665
<v Thomas>Klonen? Das heißt,

00:27:08.665 --> 00:27:10.813
<v Thomas>wenn man mich nehmen würde und
in fünf Teile zerteilen würde,

00:27:10.813 --> 00:27:12.625
<v Thomas>könnte man zweimal mich erstellen.

00:27:12.625 --> 00:27:14.340
<v Petra>Man müsste dich halt mit
einer Kugel approximieren.

00:27:14.340 --> 00:27:17.037
<v Thomas>Ich könnte ja homomorph auf eine Kugel.

00:27:17.189 --> 00:27:20.901
<v Thomas>Erstmal müsste ich so zur Kugel formiert
werden, dann verdoppelt und dann wieder.

00:27:20.901 --> 00:27:24.289
<v Petra>Genau, aber ich glaube, also der Mensch,
ja, das ist jetzt zu kompliziert,

00:27:24.289 --> 00:27:28.565
<v Petra>weil der menschliche Körper nicht
homotop ist jedenfalls zu einer Kugel.

00:27:28.565 --> 00:27:30.910
<v Thomas>Ach stimmt, dann würden ja
bestimmte Teile sozusagen

00:27:31.060 --> 00:27:35.730
<v Thomas>vielleicht wichtige Teile nur in
dem einen der einen Kopie sein.

00:27:35.730 --> 00:27:39.901
<v Petra>Ja, aber du hast ja auch keine triviale
Fundamentalgruppe als menschlicher Körper.

00:27:39.901 --> 00:27:41.027
<v Petra>Ach so,

00:27:41.027 --> 00:27:41.931
<v Thomas>ich bin gar keine Kugel.

00:27:41.931 --> 00:27:43.568
<v Petra>Schlecht approximiert, ja.

00:27:44.220 --> 00:27:46.643
<v Thomas>Okay, fangen wir jetzt auf mit dem.

00:27:46.643 --> 00:27:49.974
<v Petra>Ja, wenn einem das sozusagen
widerstrebt, dann muss man annehmen,

00:27:49.974 --> 00:27:51.422
<v Petra>dass das Auswahlaxiom nicht gilt,

00:27:51.422 --> 00:27:54.123
<v Petra>aber dann kriegt man eben auch
keine Basen für Vektorräume,

00:27:54.175 --> 00:27:58.390
<v Petra>was irgendwie schade wäre. Also ich
bin auch für die Existenz einer Basis.

00:27:58.580 --> 00:28:01.062
<v Thomas>Okay, also genau, mein
gedanklicher Ausweg ist eben,

00:28:01.062 --> 00:28:06.527
<v Thomas>dass der R3 eine sehr gute Approximation
von unserer physikalischen Realität

00:28:06.527 --> 00:28:08.529
<v Thomas>ist, aber es ist nicht die
physikalische Realität.

00:28:08.529 --> 00:28:09.650
<v Thomas>Also wir leben nicht im R3,

00:28:09.650 --> 00:28:15.635
<v Thomas>weil die reellen Zahlen einfach so verrückt
sind, weil es eben ein Kontinuum ist.

00:28:15.635 --> 00:28:17.136
<v Thomas>Und ob es wirklich ein Kontinuum gibt,

00:28:17.136 --> 00:28:19.508
<v Thomas>das konntet ihr ja in der
anderen Folge schon hören.

00:28:19.918 --> 00:28:21.950
<v Thomas>Jetzt habe ich noch was
Versöhnliches zum Abschluss.

00:28:22.560 --> 00:28:25.343
<v Thomas>Es gibt doch diese
Millenniumsprobleme, p gleich np,

00:28:25.343 --> 00:28:27.414
<v Thomas>p gleich np ist Riemann-Vermutung und so.

00:28:27.845 --> 00:28:31.037
<v Thomas>Und für diese, für viele Dinge,

00:28:31.908 --> 00:28:33.099
<v Thomas>solche Aussagen,

00:28:33.610 --> 00:28:36.001
<v Thomas>mit denen man sich irgendwie beschäftigt,
solche Millenniumsprobleme,

00:28:36.012 --> 00:28:40.185
<v Thomas>ist es egal, ob man das Auswahlaxiom
dazu nimmt zu der Mengenlehre oder nicht.

00:28:40.215 --> 00:28:41.506
<v Thomas>Also man kann zeigen,

00:28:41.796 --> 00:28:45.860
<v Thomas>dass wenn p gleich np ist oder die
Riemann-Hypothese stimmt, Stimmt?

00:28:47.140 --> 00:28:51.717
<v Thomas>dass es dann, genau dann einen Beweis
in ZFC gibt, wenn es einen Beweis in ZF,

00:28:51.767 --> 00:28:54.091
<v Thomas>also ZFC ist Zermelo-Frenkel-Mengenlehre,

00:28:54.091 --> 00:28:55.863
<v Thomas>klassische Mengenlehre plus Auswahlaxiom,

00:28:55.913 --> 00:29:00.790
<v Thomas>und solche, also p gleich np und die
Riemann-Hypothese sind beweisbar in...

00:29:00.822 --> 00:29:03.566
<v Thomas>...dem einen genau dann, wenn sie
in dem anderen beweisbar sind.

00:29:03.566 --> 00:29:05.210
<v Petra>Also kannst du dir aussuchen.

00:29:05.342 --> 00:29:07.629
<v Thomas>Ja, es kann natürlich sein, dass
wenn du das Auswahlaxiom dazu nimmst,

00:29:07.629 --> 00:29:11.410
<v Thomas>dass dein Beweis irgendwie kürzer,
eleganter oder irgendwie ganz anders wird.

00:29:11.427 --> 00:29:12.418
<v Thomas>Ob du überhaupt erstmal einen findest.

00:29:12.418 --> 00:29:15.348
<v Thomas>Aber man kann zeigen, dass es,
wenn es in dem einen, im einen,

00:29:15.348 --> 00:29:17.694
<v Thomas>wenn es mit Auswahlaxiom einen Beweis
gibt, dann gibt es auch ohne einen,

00:29:17.694 --> 00:29:20.690
<v Thomas>und das ist jetzt schon bekannt und wahr.

00:29:20.887 --> 00:29:22.147
<v Petra>Das ist doch schon mal ganz schön.

00:29:22.163 --> 00:29:26.610
<v Thomas>Ja, also wenn man, können wir ja
vielleicht erstmal daran arbeiten.

00:29:27.581 --> 00:29:29.798
<v Petra>Also du möchtest jetzt P gleich NP lösen?

00:29:30.009 --> 00:29:31.394
<v Thomas>Lieber als diese Riemann-Vermutung.

00:29:31.394 --> 00:29:33.430
<v Thomas>Diese Riemann-Vermutung ist
irgendwie ein bisschen spooky.

00:29:33.481 --> 00:29:34.042
<v Petra>Ja, das stimmt.

00:29:34.042 --> 00:29:35.996
<v Thomas>Also P gleich NP finde ich irgendwie eine,

00:29:36.206 --> 00:29:38.681
<v Thomas>also P ungleich NP,
um jetzt mal klarzustellen,

00:29:39.052 --> 00:29:43.750
<v Thomas>die sind ja offensichtlich ungleich,
finde ich wichtiger, relevanter.

00:29:45.086 --> 00:29:46.275
<v Thomas>Weil diese Riemann-Hypothese,

00:29:46.275 --> 00:29:49.422
<v Thomas>die kannst du halt mit dem Computer
für genug Zahlen überprüfen,

00:29:49.422 --> 00:29:50.512
<v Thomas>dann würde es schon stimmen.

00:29:50.643 --> 00:29:52.334
<v Petra>Dann wäre es so ein Physikeransatz.

00:29:53.445 --> 00:29:57.027
<v Thomas>Aber dieses P gleich NP ist...

00:29:57.027 --> 00:30:00.390
<v Petra>Ja, gut, das ist halt eine
fundamentale Aussage darüber,

00:30:00.390 --> 00:30:04.582
<v Petra>wie schnell Lösungen sein können,
wie schnell Algorithmen sein können.

00:30:04.813 --> 00:30:06.824
<v Thomas>Ich glaube aber, selbst wenn
sich das rausstellen würde,

00:30:06.954 --> 00:30:08.756
<v Thomas>also eine Konsequenz,
die immer genannt wird, ist,

00:30:08.756 --> 00:30:11.518
<v Thomas>dass dann diese ganze Krypto
zusammenbrechen würde und so.

00:30:11.518 --> 00:30:14.720
<v Thomas>Das würde ja bedeuten, dass man
bestimmte schwere Probleme der Ja.

00:30:15.420 --> 00:30:16.502
<v Thomas>Zahlen- oder Gruppentheorie,

00:30:16.502 --> 00:30:21.500
<v Thomas>die man jetzt für kryptographische
Algorithmen benutzt, dann doch effiziente,

00:30:22.112 --> 00:30:25.037
<v Thomas>asymptotisch effiziente
Algorithmen zulassen würden,

00:30:25.037 --> 00:30:27.230
<v Thomas>dass denn das Online-Banking
nicht mehr sicher wäre.

00:30:27.540 --> 00:30:29.763
<v Thomas>Aber der Durchbruch,

00:30:29.763 --> 00:30:30.644
<v Thomas>also der Beweis,

00:30:30.644 --> 00:30:34.519
<v Thomas>dass die beiden Klassen gleich sind, würde
ja diese Algorithmen noch nicht liefern.

00:30:34.910 --> 00:30:39.296
<v Thomas>Und dieses Wörtchen asymptotisch könnte
da die entscheidende Rolle spielen.

00:30:39.296 --> 00:30:42.270
<v Thomas>Also vielleicht hätte es auch
gar nicht so große Auswirkungen.

00:30:42.561 --> 00:30:46.007
<v Thomas>Wenn sich die beiden Klassen
als gleich herausstellen würden.

00:30:46.007 --> 00:30:47.309
<v Thomas>Aber das wäre schon überraschend.

00:30:47.309 --> 00:30:49.783
<v Thomas>Es wäre schön, wenn das irgendwie
in unserer Lebzeit gelöst wird.

00:30:49.874 --> 00:30:53.282
<v Thomas>Aber wer weiß. Das würde
ich schon gern noch wissen.

00:30:53.282 --> 00:30:56.344
<v Petra>Naja, es gibt ja jedes Jahr
neue Beweise im Archive.

00:30:56.536 --> 00:30:57.261
<v Petra>Vielleicht stimmt da einer.

00:30:57.261 --> 00:30:59.686
<v Thomas>Ja, irgendwann gab es mal einen,
der hatte sogar grafische Modelle.

00:30:59.686 --> 00:31:00.578
<v Thomas>Also so eine

00:31:01.530 --> 00:31:02.974
<v Thomas>Konstruktion aus der Statistik drin.

00:31:02.974 --> 00:31:06.010
<v Thomas>Da war so ein P gleich NP-Paper.

00:31:06.200 --> 00:31:08.853
<v Thomas>P ungleich NP wollte das glaube
ich beweisen und das war auch

00:31:09.204 --> 00:31:11.266
<v Thomas>wie auf Terry Taos Blog diskutiert.

00:31:11.266 --> 00:31:12.408
<v Thomas>Also dachte ich auch, naja,

00:31:12.408 --> 00:31:13.749
<v Thomas>wenn Terry Taos sich das angeschaut hat,

00:31:13.749 --> 00:31:16.242
<v Thomas>dann ist das zumindest mal
so ein ernsthafter Versuch.

00:31:16.512 --> 00:31:20.206
<v Thomas>Und der Anfang war irgendwie
mit so bedingter Unabhängigkeit

00:31:20.477 --> 00:31:22.078
<v Thomas>von diskreten Zufallsvariablen.

00:31:22.078 --> 00:31:23.650
<v Thomas>Das war ganz...

00:31:24.221 --> 00:31:26.307
<v Thomas>ganz erfrischend zu lesen, weil den
Teil habe ich dann noch verstanden,

00:31:26.307 --> 00:31:28.513
<v Thomas>aber dann, was er damit gemacht hat,
habe ich nicht mehr verstanden.

00:31:28.513 --> 00:31:31.062
<v Thomas>Aber Terry Tau meinte,
es gibt da noch eine Lücke.

00:31:31.062 --> 00:31:34.142
<v Petra>Okay. Ah ja. Also Stand
jetzt ist es offen.

00:31:34.635 --> 00:31:36.324
<v Petra>Gut. Wunderbar.

00:31:36.324 --> 00:31:38.990
<v Thomas>Okay. Soviel zum Auswahlaxiom.

00:31:39.031 --> 00:31:39.241
<v Petra>Sehr schön.

00:31:39.241 --> 00:31:41.129
<v Thomas>Das haben wir Zorn-Slammer
gar nicht erklärt,

00:31:41.129 --> 00:31:42.535
<v Thomas>aber das ist, glaube ich,
auch nicht so wichtig.

00:31:42.535 --> 00:31:43.823
<v Thomas>Das kann man dann nachlesen.

00:31:43.823 --> 00:31:47.526
<v Petra>Wir können ja die Wikipedia-Seite
dazu noch verlinken.

00:31:47.526 --> 00:31:49.570
<v Thomas>Ja. Jeder Vektorraum hat eine Basis.

00:31:49.983 --> 00:31:51.822
<v Petra>Also da stimme ich dir auf jeden Fall zu.

00:31:51.822 --> 00:31:55.561
<v Thomas>Okay. Und jede unabhängige Menge
kann zu einer Basis ergänzt werden.

00:31:55.813 --> 00:31:58.730
<v Thomas>Das ist eigentlich das Zonslimmer,
eine Variante davon.

00:31:59.303 --> 00:32:02.865
<v Thomas>Okay. Na dann macht's mal
alle gut und bis nächstes Mal.

00:32:02.865 --> 00:32:04.530
<v Petra>Wunderbar. Bis dann. Ciao.
